Werkzeug…

Ein Fotograf und seine Ausrüstung… Das ist ein schwieriges Thema über welches auch schon oft und viel geschrieben und diskutiert wurde. Ist es nun so, dass die Kamera gar nicht zählt, dass es das Auge des Fotografen ist, dass Bild macht? Oder gilt doch eher der Spruch „Horses for courses“, also die passende Kamera für jedes Einsatzgebiet? Ich denke, die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte. Ohne Idee macht die beste Kamera kein gutes Bild, anders herum lassen sich manche Ideen aber einfach nicht mit jeder Kamera umsetzen.

Gerade als Hobbyfotograf (ich finde hier das englische Wort „Enthusiast“ besser, Hobby hat immer irgendwie einen nerdigen Klang) hat man ja den Vorteil, seine Kamerakäufe nicht wirtschaftlich rechtfertigen zu müssen.

Du willst es? Du kannst es Dir leisten, ohne am Hungertuch zu nagen? Kauf es!

So haben sich auch bei mir über die Jahre viele Kameras angesammelt. Manche sind geblieben, andere sahen im Internet doch reizvoller aus, als sie es am Ende waren. Sie mussten wieder gehen. Das Schöne ist, dass man einigermaßen gute analoge Kameras heutzutage fast ohne Wertverlust wieder verkaufen kann, wenn man sich nicht gerade über´s Ohr hat hauen lassen. Ich habe mir den Grundsatz zueigen gemacht, keine Kameras zu behalten, die ich nicht nutzen kann. Mit dieser Leitlinie habe ich in den letzten Monaten die „Sammlung“ wieder ganz schön ausgedünnt. Trotzdem habe ich natürlich mehr Kameras, als ich regelmäßig benutze. Einige haben sich als Favoriten herauskristallisiert, die werden des öfteren eingepackt und ihre Handhabung liegt mir. Ein paar davon möchte ich Euch jetzt zeigen.

Contax TVS

Die Contax TVS, eine der sogenannten „Edelkompakten“ aus der analogen Ära. Eine tolle kleine Kamera für Städtereisen (z.B. hatte ich sie in London dabei), die sowohl vollautomatisch als auch mit Zeitautomatik funktioniert und trotz Zoomobjektiv eine super Bildqualität hat. Als Schnappschusskamera mit Qualitätsanspruch nicht zu überbieten.

Leica IIIf

Die Leica IIIf mit versenkbarem Summicron 50/2.0. Die klassische Reportagekamera, bei mir fast immer mit Schwarzweißfilm bestückt. Die Belichtung muss per Hand gemessen werden, Automatiken sind bei dieser Kamera Fehlanzeige! Dafür hat sie eine überragende Bildqualität und die Bilder mit ihr werden irgendwie klassisch und zeitlos. Eine Legende und eine Favoritin von mir!

Polaroid SX70

Die Polaroid SX70. Kultkamera und weit mehr als die Millionen Polaroidknipsen, die einst in den Wohnzimmerschränken weltweit lagen. Die SX70 ist ein Profimodell gewesen. Eine Spiegelreflexkamera, robust und einfach nur unheimlich schön. Zusammengeklappt durchaus was für die Aktentasche. Kommt bei mir wegen der schwindelerregenden Preise von Impossible Film selten zum Einsatz. Wenn, dann überzeugt sie aber! Auch hier gibt es Beispiele im London-Beitrag zu sehen.

Rolleicord IV

Die Rolleicord IV. Die kleine Schwester der Rolleiflex. In Hinblick auf die Bildqualität ist sie der aber nicht unterlegen. Die Rolleiflex hat im Gegensatz zur ´Cord eine Kurbel zum Filmtransport, es gab sie mit Belichtungsmesser, Film weiterspulen und Verschluss spannen war ein Arbeitsgang statt zwei. Bis auf diese paar Komfort-Verbesserungen ist die Rolleicord jedoch absolut auf Augenhöhe und ich liebe sie! Könnte ich nur eine Kamera behalten, wäre sie Anwärterin auf diesen Platz.  Das Prinzip, von oben in die Kamera zu schauen und das Sucherbild spiegelverkehrt zu sehen, muss man mögen oder sich zumindest daran gewöhnen. Wenn das aber erstmal passiert ist, dann mag man das oft nicht mehr missen.

Polaroid 110a

Tja, und meine neueste Errungenschaft, eine Polaroid Pathfinder 110a. Umgebaut auf Planfilm 9×12. An dieses Schmuckstück bin ich eher zufällig geraten, nun bin ich aber unglaublich neugierig drauf, sie zu benutzen. Den ursprünglichen Film für diese Kamera gibt es seit fast zwanzig Jahren nicht mehr. Die Objektive sind jedoch legendär, weshalb sie heute oft konvertiert werden und man damit Planfilm im Format 4×5″ oder 9x12cm fotografiert. Wohl gemerkt, das beudeutet ein Negativ von 9x12cm Größe. Der Detailreichtum einer solchen Aufnahme ist gigantisch.
Der Aufwand, mit dieser Kamera zu fotografieren, leider auch. In eine Planfilmkassette passt immer nur ein Bild. Ich habe momentan zwei Kassetten, der Fotoausflug ist also schnell vorbei, wenn man sich nicht genau überlegt, was man fotografieren will. Das tut man aber für gewöhnlich. Ich plane mit dieser Kamera eher konzeptionelle Arbeiten als spontanes Um-die-Häuser-ziehen. Interessenten für Portraits unter den Lesern? Immer melden!

So, das war es für´s Erste. Meine beiden Spiegelreflexsysteme (Olympus und Canon) werde ich ein anderes Mal vorstellen.


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